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Studie über Autokosten

Der eigene Pkw ist weit teurer, als Autobesitzer glauben

Studie über Autokosten

Bild: istockphoto/skynesher

Autobesitzer in Deutschland unterschätzen die Kosten ihres Autos im Durchschnitt um 50 Prozent. Vor allem die Ausgaben für Steuern, Versicherungen, Reparaturen sowie den Wertverlust des Autos schätzen sie viel zu niedrig ein.

Im Rahmen einer Autokosten-Studie haben vier Umweltökonomen und Wirtschaftswissenschaftler der RWI, der Universität Mannheim und der Yale University im Jahr 2018 6.000 Autobesitzer*innen in Deutschland befragt, wie hoch sie die monatlichen Kosten für ihr Auto schätzen. Die Ergebnisse der Befragung wurden nun veröffentlicht.

In der Studie wurden die Autobesitzer*innen aufgefordert, die Kosten für Tanken, Steuern, Versicherung, Reparaturkosten und den Wertverlust ihres Autos abzuschätzen. Um die Schätzungen mit der Realität zu vergleichen, haben die Wissenschaftler parallel anhand von Preistabellen des ADAC ermittelt, was die Befragten für ihr Auto/ihre Autos jeweils tatsächlich zahlten.

Autobesitzer unterschätzen die Kosten um mehr als 50 Prozent

Im Durchschnitt unterschätzten die Befragten die Ausgaben für ihr Auto um rund 52 Prozent. Sie gaben im Durchschnitt monatliche Ausgaben in Höhe von 204 Euro an. Tatsächlich lagen die durchschnittlichen Ausgaben aber mit 425 Euro gut doppelt so hoch.

Vor allem die Kosten für Steuern, Versicherungen, Reparaturen und den Wertverlust des Autos hielten die Befragten für geringer als sie in Wirklichkeit sind. Lediglich die Tankkosten schätzten die Befragten weitgehend realistisch ein.

Am größten war die Fehleinschätzung beim Wertverlust. Dieser lag in Wirklichkeit im Schnitt 86 Prozent höher, als die Befragten annahmen. Die Kosten für Reparaturen wurden um 53 Prozent unterschätzt, Steuern und Versicherungskosten um 45 Prozent. Die Tankkosten nahmen die Befragten im Durchschnitt „nur“ um 21 Prozent geringer an, als sie tatsächlich waren.

Autobesitzer haben vermutlich nicht alle Kostenarten im Blick

Viele Befragte machten in der Studie nur Angaben zu einzelnen Kostenpositionen. Während Angaben zu Treibstoff- und Reparaturkosten von jeweils mindestens 90 Prozent der Befragten gemacht wurden, äußerten sich zu den Reparaturkosten nur 57 Prozent und nur 29 Prozent bezogen den Wertverlust des Autos in ihre Schätzung ein. Aus diesem Antwortverhalten kann man folgern, dass viele Autobesitzer über den Wertverlust und die tatsächlich anfallenden Reparaturkosten für ihr Fahrzeug besonders schlecht informiert sind oder diese gar nicht kennen.

Befragte, die sich zu sämtlichen Kostenfaktoren äußern konnten, lagen in ihrer Schätzung näher bei den tatsächlichen Kosten ihres Autobesitzes. Aber auch bei ihnen ist die Diskrepanz zwischen Annahme und Realität weiterhin erheblich. Der Unterschied zwischen tatsächlichen und geschätzten Kosten lag hier 35 Prozent beziehungsweise 161 Euro unter dem realen Wert.

37 Prozent weniger Autos auf den Straßen?

Ausgehend von ihrer Befragung entwerfen die Autoren der Studie ein Szenario, wie sich der Autobesitz in Deutschland entwickeln würde, wenn sich die Autobesitzer über die tatsächlichen Kosten des Autobesitzes im Klaren wären. Dabei kommt eine Simulationsmethode für die Autobesitz- und Autonutzungsentscheidungen von Haushalten aus den USA zum Einsatz. Diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass der Preis des Treibstoffs den Kauf und die Nutzung eines Autos eher wenig beeinflussen, während eine Veränderung der übrigen Kosten des Autobesitzes einen erheblicheren Einfluss hat.

Die Autoren folgern daraus, dass auch eine besserer Wissensstand über die tatsächlichen Kosten des Autobesitzes zu einer Autoabschaffung führen würde. Unter Verwendung der Ergebnisse der US-Simulation kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass 37 Prozent der privaten Pkw in Deutschland vielleicht abgeschafft würden, wenn die Besitzer deren wahre Kosten kennen würden.

Obwohl in dieser Simulation erhebliche Unsicherheiten stecken, ist sie doch ein sehr interessanter Hinweis darauf, wie die Habitualisierung des Autobesitzes und eine große Unkenntnis über dessen wirkliche Kosten die Verkehrswende vermutlich blockieren.

Autokosten müssen besser kommuniziert werden

Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass eine gezielte Kommunikation der tatsächlichen Autokosten eine große Zahl von Menschen vom Besitz eines Autos abbringen kann und schlagen daher vor, dass Autos beim Kauf und in den Fahrzeugbriefen mit den Gesamtkosten etikettiert werden. Solche Service-Informationen beeinflussen das Kaufverhalten von Konsument*innen bereits in verschiedenen anderen Kontexten, vom Kauf einer Immobilie bis hin zu Gebrauchsgütern wie Kühlschränken und Klimaanlagen.

Veröffentlicht wurden die Forschungsergebnisse im April 2020 im Fachjournal "Nature". Gefördert wurde die Studie von der Mercator-Stiftung.

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Hier geht es zur veröffentlichten Studie.